JRA Behandlung 1

 

Behandlungs­möglichkeiten

 

Bitte beachten Sie, dass diese Ausführungen nur einen allgemeinen Überblick geben. Im persönlichen Gespräch mit Ihnen werden wir die für Sie sinnvollen Behandlungsansätze ausführlich besprechen und alle Ihre Fragen dazu beantworten.

 

Wir führen folgende Behandlungen / Eingriffe durch, welche im Folgenden erläutert werden:

  • Zyklusunterstützung
  • Inseminationsbehandlung
  • künstliche Befruchtung: IVF- bzw ICSI-Therapie
  • Kryokonservierung von Eizellen (befruchtet und unbefruchtet), Spermien, Hodengewebe
  • Blastozysten- Kultur
  • Kryotransfer
  • Samenspende- Behandlung
  • Endometrium-Scratching

 

 

Grundvoraussetzung für die Befruchtung einer Eizelle sind zunächst eine regelrechte Eizellreifung und ein funktionierender Eisprung. Falls sich hier Störungen zeigen, so sollten diese durch eine Zyklusunterstützung ausgeglichen werden:

Zunächst kann ein Medikament gegeben werden, welches den Eisprung sicherstellt („Auslösespritze“). Außerdem gibt es verschiedene Maßnahmen, die Eizellreifung (= das Follikelwachstum) zu unterstützen: Dies kann mit Tabletten oder Spritzen erfolgen. Welche Methode für Sie in Frage kommt, lässt sich anhand der Zyklusanamnese, des Ultraschallbefundes und der Laborergebnisse feststellen. Die verwendeten Medikamente unterstützen das natürliche Zyklusgeschehen, sind möglichst niedrig dosiert und in der Regel gut verträglich. Zur Kontrolle ist meist eine Ultraschalluntersuchung (ca. 10. Zyklustag) ausreichend.

 

Wenn der Eisprung „ausgelöst“ wird, so kann man die fruchtbare Zeit genau eingrenzen und das Paar kann „zum optimalen Zeitpunkt“ Verkehr haben. Zur Unterstützung der Einnistung wird in der zweiten Zyklushälfte üblicherweise das Gelbkörperhormon (Progesteron), welches auch vom Eierstock nach dem Eisprung produziert wird, in Form vaginaler Tabletten angewendet.

 

 

Für den natürlichen Befruchtungsvorgang ist es notwendig, dass eine ausreichende Menge an vorwärtsbeweglichen Spermien zum Zeitpunkt des Eisprunges in den Eileiter gelangt. Im Falle einer leichten Einschränkung der Spermienanzahl oder -beweglichkeit kann die Befruchtung ausbleiben, da zu wenige Spermien die Eizelle erreichen. In diesem Fall kann eine intrauterine Insemination (IUI) durchgeführt werden:

 

Dafür wird zum Zeitpunkt des Eisprunges eine frische Spermaprobe so aufbereitet, dass die langsamen von den schnell beweglichen Spermien getrennt werden. Die Aufbereitung dauert etwa eine Stunde. Danach werden die gut beweglichen Spermien mit einem dünnen weichen Plastikschlauch direkt in die Gebärmutter eingesetzt. Dieser Eingriff ist der typischen Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt sehr ähnlich und in der Regel nicht schmerzhaft. Mit der Insemination werden die schnellen Spermien also näher an die Eizelle herangebracht, um die Chance für eine natürliche Befruchtung zu erhöhen. Dabei ist die Insemination eine zusätzliche Maßnahme zum Geschlechtsverkehr.

 

Es muss allerdings sichergestellt werden, dass die Insemination zum richtigen Zeitpunkt, also in der fruchtbaren Zeit erfolgt. Daher wird in der ersten Zyklushälfte eine Zyklusüberwachung/-unterstützung vorgenommen und der Eisprung ausgelöst (siehe oben).

 


Unter künstlicher Befruchtung = In Vitro Fertilisation (IVF) versteht man das Zusammenbringen von Eizellen und Spermien außerhalb des Körpers; der Befruchtungsvorgang wird also nach außen verlagert. Dies ist typischerweise dann notwendig, wenn sich Spermien und Eizelle im Eileiter nicht treffen können, da dieser (z.B. durch Verklebungen nach Entzündungen, Operationen oder durch Endometriose) blockiert ist.
Die Behandlung gliedert sich in vier Abschnitte: Stimulation der Eizellreifung – Eizellentnahme (Punktion) und Spermaabgabe für IVF – Embryotransfer – Unterstützung der zweiten Zyklushälfte.

 

Zunächst müssen die Eierstöcke so stimuliert werden, dass mehr Eizellen als im natürlichen Zyklus heranreifen. Die Stimulation erfolgt durch Hormone (Gonadotropine), die – wie Antithrombosespritzen oder Insulin – mit einer dünnen Nadel unter die Haut gespritzt werden. Die Wahl der Medikamente und die Dosierung wird jeweils an Ihre individuelle Situation angepasst („nicht zu viel und nicht zu wenig“). Die Stimulation dauert typischerweise 10 bis 12 Tage und wird in der Regel gut vertragen. Um das Ansprechen der Eierstöcke auf die Medikamente zu überwachen, müssen meist ab dem 8. Zyklustag Ultraschall- und ggf. Laborkontrollen durchgeführt werden. Wenn dann die Follikel groß genug herangereift sind, wird der Eisprung mit der Auslösespritze sichergestellt und der Termin für die Eizellentnahme (Punktion) festgelegt.

 

Am Tag der Eizellentnahme kommt das Paar gemeinsam in unsere Praxis; die Frau muss nüchtern sein. In einer ambulanten Kurznarkose werden bei ihr dann von der Scheide aus unter Ultraschallkontrolle die Eizellen aus den Follikeln entnommen. Der Eingriff dauert 10 bis 15 Minuten. Die Spermaabgabe erfolgt parallel zur Follikelpunktion. Anschließend ruht die Frau in unserem Ruheraum und darf trinken oder frühstücken. Bei Bedarf werden Schmerzmittel verabreicht. Danach geht das Paar gemeinsam nach Hause. Die Frau darf nach einer Narkose nicht selbst Auto fahren.

 

Für die eigentliche IVF (In Vitro Fertilisation) werden im Labor die Ei- und Samenzellen des Paares in einer Nährlösung zusammengebracht. Dann findet die Befruchtung „von selbst“ statt. Am nächsten Morgen wird unter dem Mikroskop kontrolliert wie viele der Eizellen befruchtet wurden; durchschnittlich sind es 50 bis 70 %. Das Befruchtungsergebnis und der Termin für den Embryotransfer (Tag 2, 3 oder 5 nach Eizellentnahme) wird dem Paar von den Labormitarbeitern telefonisch mitgeteilt.

 

Für den Embryotransfer werden die für den Transfer vorgesehenen Embryonen (meist 2) in einen kleinen weichen Plastikkatheter aufgenommen und damit unter Ultraschallkontrolle in der Gebärmutterhöhle abgesetzt. Dieser Vorgang ähnelt einer normalen gynäkologischen Untersuchung und verursacht keine Schmerzen. Anschließend kann die Patientin sofort aufstehen und die Praxis verlassen.

 

In der zweiten Zyklushälfte sollen sich die Embryonen weiterentwickeln und in der Gebärmutter einnisten. In dieser Zeit ist die vaginale Anwendung von Gelbkörperhomon- (Progesteron-) Tabletten sinnvoll. Einschränkungen der Lebensweise, insbesondere der Bewegung, oder Krankschreibung sind nicht notwendig. Allerdings empfinden viele Frauen gerade diese letzten 14 Tage als besonders anstrengend, da ja „nichts mehr passiert” als dass man auf das Testergebnis hinfiebert.

 

Die ICSI-Therapie ist eine Sonderform der künstlichen Befruchtung, die weltweit erstmals 1992 durchgeführt wurde. Sie wird angewendet, wenn eine so schwere Einschränkung der Spermaqualität vorliegt, dass man davon ausgeht, dass die Spermien nicht von selbst in die Eizelle eindringen können. Mit der konventionellen IVF-Behandlung, bei der Eizellen und Spermien einfach gemeinsam in eine Kulturschale gegeben werden, würde somit keine Befruchtung stattfinden. Bei der ICSI-Therapie wird daher in jede reife Eizelle ein einzelnes Spermium des Partners injiziert. Dafür wird die Eizelle unter das Mikroskop gelegt, mit einer Glaskapillare angesaugt und festgehalten. Dann wird ein gut bewegliches Spermium in eine zweite dünne Glaskapillare aufgezogen und direkt in die Eizelle eingebracht. Die ICSI-Methode erfordert im Vergleich zur konventionellen IVF mehr Laborarbeit und Zeit.
Außerhalb des Labors ist der Ablauf der Behandlung für das Paar identisch zu dem der IVF-Behandlung: Stimulation der Eizellreifung – Eizellentnahme (Punktion) und Spermaabgabe für ICSI – Embryotransfer – Unterstützung der zweiten Zyklushälfte (siehe oben)

 

 

Wenn mehr Eizellen befruchtet sind, als für den Embryotransfer vorgesehen sind, so kann man die überzähligen befruchteten Eizellen durch Kryokonservierung (= Einfrieren) aufheben.

Am Tag nach der Eizellentnahme ist bei IVF- und ICSI-Behandlungen im Mikroskop erkennbar, ob der Befruchtungsvorgang begonnen hat. Typischerweise zeigt die befruchtete Eizelle dann 2 Vorkerne (= Pronuklei). Die eigentliche Befruchtung, d.h. die Verschmelzung von väterlichem und mütterlichem Erbgut hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Diese sogenannten 2PN-Eizellen können also eingefroren und aufbewahrt werden. Da die Stoffwechselprozesse dann innerhalb dieser Zellen auf ein Minimum herabgesetzt sind, ist eine Langzeitlagerung ohne Qualitätseinschränkungen möglich. Die befruchteten Eizellen können in einem späteren Zyklus (Kryozyklus) in die Gebärmutter übertragen werden und ermöglichen somit einen neuen Behandlungsversuch ohne den großen Voraufwand der Stimulation und Eizellentnahme. Dieser sog. Kryotransfer wird in einem ganz normalen, allenfalls mit Östrogentabletten unterstützten Zyklus durchgeführt. Die zweite Zyklusphase sollte wieder mit Progesteron unterstützt werden.

 
 

Auch die Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen, Hodengewebe und Spermien ist möglich. So kann beispielsweise vor einer geplanten Hodenoperation oder Chemotherapie Sperma eingefroren werden, auch wenn aktuell kein Kinderwunsch besteht. Ebenso wird das Spendersperma für donogene Inseminationen (siehe unten) tiefgefroren gelagert und versendet.

 

 

Unter bestimmten Umständen kann es sinnvoll sein, eine gewissen Zahl an befruchteten Eizellen über mehrere Tage im Brutschrank zu kultivieren und zu beobachten, wie sie sich entwickeln und ob sie das Blastozystenstadium erreichen (das tun nämlich nur 30 bis 40 % der Eizellen). Als Blastozyste wird ein 5 Tage alter Embryo bezeichnet, der zu einer kleinen mit Flüssigkeit gefüllten Kugel geworden ist. Für den Blastozystentransfer am Tag 5 können also die Embryonen mit dem besten Entwicklungspotenzial identifiziert werden.

 

 

Finden sich im Samenerguss bei wiederholten Untersuchungen überhaupt keine Samenzellen (Azoospermie), kann ein operatives Verfahren zur Spermiengewinnung angewendet werden: Mit Hilfe der Hodenbiopsie/ TESE (= testikuläre Spermienextraktion) gelingt es bei ca. 50 % der betroffenen Männer, einzelne Samenzellen direkt aus dem Hodengewebe zu isolieren, die dann für eine ICSI verwendet werden können. Hierzu werden in einem kurzen operativen Eingriff in Kurznarkose mehrere kleine Gewebeproben aus beiden/dem Hoden entnommen und in mehreren Portionen kryokonserviert (= tiefgefroren). Lassen sich in einer Probenportion nach dem Test-Auftauen Spermien finden, kann eine ICSI-Behandlung geplant werden, für die dann eine weitere Probenportion verwendet wird. Das tiefgefrorene Material ist meist für mehrere Behandlungszyklen ausreichend.

 

 

Ist die Qualität des Spermiogramms beim Mann so stark eingeschränkt, dass weder mit Insemination noch mit IVF- oder ICSI- Therapie eine Schwangerschaft erreicht werden kann, oder entscheidet sich das Paar nach Aufklärung bewusst gegen eine IVF-/ICSI-Behandlung, besteht die Möglichkeit, eine Samenspende-Behandlung (donogene Insemination) durchzuführen. Dabei wird eine aufbereitete Spendersamenprobe in die Gebärmutter der Frau eingespült (siehe oben: Insemination). Die Samenspende-Behandlung kann auch bei lesbischen Paaren durchgeführt werden, wenn eine eingetragene Lebenspartnerschaft besteht.

Vor einer Behandlung mit Fremdsperma ist neben der medizinischen eine umfangreiche, schriftlich dokumentierte juristische Aufklärung des Patientenpaares ebenso notwendig wie eine umfassende vertragliche Vereinbarung zwischen dem Patientenpaar und der Samenbank, von der das Fremdsperma bezogen wird. Daneben ist eine psychosoziale Beratung des Paares sinnvoll.

 


Mehrere publizierte Studien zeigen, dass mit dem Endometrium-Scratching die Schwangerschaftschance erhöht werden kann. Durch eine lokale Reizung der Gebärmutterschleimhaut werden immunologische Prozesse aktiviert, die die Einnistung des Embryos im Folgezyklus verbessern sollen. Hierfür wird in dem der Kinderwunschbehandlung voraus gehenden Zyklus ein dünner, beweglicher Katheter in die Gebärmutter eingeführt und die Gebärmutterschleimhaut aufgeraut. Diese Maßnahme ist einer gynäkologischen Untersuchung sehr ähnlich und kaum schmerzhaft.